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Foto: Johanna Jürgensen, Husum

Mahnmal der KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing

Spuren der NS-Gewaltherrschaft und ihrer Folgen im deutsch-dänischen Grenzland

Historischer Kontext: Dänemark unter deutscher Besetzung

Trotz eines am 31. Mai 1939 abgeschlossenen Nichtangriffsvertrages und einer am 1. September 1939 von der dänischen Regierung abgegebenen Neutralitätserklärung wurde Dänemark am 9. April 1940 ebenfalls Opfer der militärischen Aggression Hitlerdeutschlands. Nach der Besetzung sollte Dänemark allerdings völkerrechtlich und praktisch eine Ausnahme unter den besetzten Ländern darstellen, da formell weiterhin souverän und sich selbst regierend. Alle politischen und Verwaltungsinstanzen blieben – zumindest in den ersten Jahren – in Funktion. Bis in das Jahr 1942 hinein konnte es die Besatzungsmacht dabei belassen, da die – wenngleich immer wieder und immer stärker unter Druck gesetzte – dänische (Sammlungs-)Regierung ihren Forderungen in allen wesentlichen Punkten nachkam.

Verschärfte Besatzung

Dann aber änderte sich auch in Dänemark die Lage: Die wachsende Widerstandsbewegung und deren Sabotagetätigkeit sowie die Kriegswende führten zu einer Verschärfung des Besatzungsregimes. Im Herbst 1942 wurde der Gesandte Renthe-Fink, der die deutschen Interessen gegenüber der dänischen Regierung bis dahin vertreten hatte, abberufen und durch die Installation des SS-Gruppenführers Werner Best als neuem Reichsbevollmächtigten ersetzt.

Rücktritt der dänischen Regierung

Im August 1943 trat die dänische Regierung trat zurück. Die Regierungsgeschäfte wurden nunmehr von den Staatssekretären als Quasi-Regierung weitergeführt. Im Oktober 1943 kam deutsche Sicherheitspolizei nach Dänemark, das Land bekam einen Höheren SS- und Polizeiführer und einen Befehlshaber der Sicherheitspolizei, die als erstes die Verfolgung der dänischen Juden in Szene setzten. Deren Deportation konnte allerdings durch eine beispiellose Hilfsaktion der dänischen Bevölkerung weitgehend verhindert werden.

Internierung dänischer Polizisten

Ab August 1944 übernahm die Besatzungsmacht praktisch die ausübende Gewalt, nachdem die dänischen Polizisten entwaffnet und zahlreich im Lager Frøslev interniert worden waren. Die Maßnahmen gegen die Widerstandsbewegung wurden jetzt zunehmend brutaler.

Lager für deutsche Ostflüchtlinge

Gegen Ende des Krieges wurde Dänemark noch auf besondere Weise in das Kriegsgeschehen einbezogen, indem einige Hunderttausend deutscher Flüchtlinge aus dem Osten hier im wahrsten Sinne des Wortes strandeten. Sie wurden in Sammellagern untergebracht, von denen das Lager Oksbøl bei Varde an der jütischen Westküste das größte war.

Konzentrationslager

Südlich der Grenze wurden in Husum-Schwesing und Ladelund Außenstellen des KZ Neuengamme errichtet. Von Harrislee-Bahnhof wurden Dänen mit der Bahn in deutsche Konzentrationslager deportiert.

Text:

Prof. Dr. Robert Bohn
Institut für Schleswig-Holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte