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Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

Familienfreundlicher Arbeitgeber: Kreis Nordfriesland erneut mit dem Zertifikat zum Audit berufundfamilie ausgezeichnet

Bereits zum zweiten Mal wurde der Kreis Nordfriesland für seine strategisch angelegte, familienbewusste Personalpolitik ausgezeichnet: Am 26. Juni 2013 nahm Landrat Dieter Harrsen in Berlin das Zertifikat zum »audit berufundfamilie« entgegen. »Im Wettbewerb um die besten Köpfe liegt die Kreisverwaltung gut im Rennen«, stellt Harrsen fest und betont: »Auch der öffentliche Dienst muss immer wieder hinterfragen, ob es ihm gelingt, so attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die bestmögliche Arbeitsleistung erbringen können.«
Ebenso wie für Unternehmen ist es für Behörden wichtig, gute Mitarbeiter nicht nur zu bekommen, sondern auch lange zu halten. Auswahlprozesse sind langwierig und teuer.

Die Kreisverwaltung setzt auf ein ganzheitliches Personalmanagement. Dazu gehören eine qualifizierte Personalentwicklung, die Chancengleichheit von Männern und Frauen und ein im Aufbau befindliches Gesundheitsmanagement.

Als erste Kreisverwaltung in Schleswig-Holstein ist der Kreis Nordfriesland 2009 von der berufundfamilie gGmbH – eine Initiative der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung – als familienfreundlich zertifiziert worden. In zwei Workshops wurden 20 Ziele und 67 Maßnahmen erarbeitet, die, soweit möglich, nach und nach umgesetzt werden. Sie betreffen die Handlungsfelder Arbeitszeit, Arbeitsorganisation, Arbeitsort, Informations- und Kommunikationspolitik, Führungskompetenz, Personalentwicklung und Service für Familien. Die Projektleitung liegt bei der Gleichstellungsbeauftragten Simone Ehler, die sich eng mit dem Fachdienst Personal abstimmt.

Telearbeit

Ein Ansatzpunkt, der vielen Müttern und Vätern, aber auch Angehörigen von Pflegebedürftigen das Leben erleichtert, ist die Möglichkeit zur Telearbeit. Krankheiten etwa von Kindern können Kreismitarbeiter vor das Problem stellen, gleichzeitig an zwei Orten sein zu müssen: Das Kind braucht Pflege, und gleichzeitig müssen dringende Arbeiten am Schreibtisch erledigt werden.

»Dann reagieren wir sehr flexibel«, berichtet Simone Ehler: Auf Grundlage einer Dienstvereinbarung mit dem Personalrat werden Genehmigungen für eine vorübergehende Telearbeit erteilt, Publikumsverkehr wird von den unmittelbaren Kollegen aufgefangen, und über das Internet kann der Zugriff vom heimischen Rechner auf die dienstlichen Dateien ermöglicht werden.

Schon mehrfach gab die Möglichkeit zur Telearbeit bei qualifizierten Bewerberinnen den Ausschlag, sich für den Kreis als Arbeitgeber zu entscheiden. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat die Zahl der zumindest teilweise von zuhause aus arbeitenden Kreisbediensteten von eins auf 29 zugenommen.

Pflege von Angehörigen

»Entsprechende Anforderungen werden auch im Zusammenhang mit der Pflege von Angehörigen zukünftig verstärkt auf uns zukommen«, erwartet Landrat Dieter Harrsen: »Auch dann werden wir die Betroffenen unterstützen.« Maßgabe sei allerdings immer, dass Bürger, die während der Öffnungszeiten ins Kreishaus kommen, gut bedient werden, und dass die vertretenden Kollegen nicht übermäßig belastet werden. Auch der Datenschutz und die Kontrolle der Arbeitszeit müssten selbstverständlich gewährleistet sein.

Ausbildung in Teilzeit

Unter dem Motto Familienfreundlichkeit ermöglichte der Kreis einer jungen Mutter vor einiger Zeit eine Ausbildung in Teilzeit. »Sie hat die praktischen und schulischen Anforderungen mit Bravour gemeistert«, erinnert sich die Personalentwicklerin des Kreises, Inke Clausen. »Dieses Modell werden wir bei Bedarf wiederholen.«

Elternzeit auch für Väter

Der Kreis ermuntert frischgebackene Väter, in Elternzeit zu gehen und mindestens die von der Bundesregierung vorgesehene Zweimonatsfrist zu nutzen, um sich stärker in das Familienleben einzubringen und die Mütter zu entlasten. »Bis jetzt hat noch kein Mann bei uns bereut, das gemacht zu haben«, weiß Simone Ehler – obwohl die Elternzeit mit finanziellen Einbußen einhergeht.

Erst elf Prozent Männer in Teilzeit

Auch wenn die Gleichberechtigung der Geschlechter in den letzten Jahrzehnten viele Fortschritte gemacht hat, sind immer noch 89 Prozent der Teilzeitbeschäftigten des Kreises Frauen. Meistens handelt es sich um Mütter, die sich nachmittags um Haushalt und Kinder kümmern. »Je nach Familiensituation und Wohnort haben die Mütter sehr unterschiedliche Wünsche. Solange es mit dem Dienstbetrieb vereinbar ist, kommen wir ihnen so weit wie möglich entgegen. Im Sinne der Gleichstellung von Mann und Frau würde ich mir wünschen, dass auch mehr Väter dieses Angebot annehmen«, sagt Simone Ehler.

Führung in Teilzeit

Noch keine richtigen Erfahrungen gibt es im Kreishaus mit Führungspositionen in Teilzeit. »Dabei wäre es grundsätzlich durchaus denkbar, dass zwei Personen sich auch eine sehr anspruchsvolle Stelle teilen«, findet Verwaltungschef Harrsen. »Sie müssten zwar intensiv kommunizieren, um sich gegenseitig ständig auf dem Laufenden zu halten, aber warum sollte das nicht möglich sein?«

Immerhin wurde inzwischen für Führungskräfte in Teilzeit die Möglichkeit geschaffen, bis zum Umfang der geminderten Arbeitszeit eine Unterstützungskraft zu erhalten. Hiervon wird bereits in drei Fällen Gebrauch gemacht. Außerdem wird das Thema »Führung in Teilzeit« als Querschnittsthema in eine Schulungsreihe für Führungskräfte einfließen, die derzeit konzipiert wird.

Kindergarten und Ferienbetreuung

Ein Klassiker beim Thema Familienfreundlichkeit ist der Ruf nach einem betriebseigenen Kindergarten. »Die bisherigen Umfragen haben ergeben, dass die Nachfrage in der Kreisverwaltung dafür nicht ausreicht«, berichtet Inke Clausen.

Seit 2009 besteht darüber hinaus eine Kooperation mit dem wenige hundert Meter vom Husumer Kreishaus entfernt liegenden Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk im Bereich der Ferienbetreuung: Kinder der Beschäftigten der Kreisverwaltung können gegen ein Entgelt dort betreut werden und auch zu Mittag essen. Rund fünf Kinder haben diese Möglichkeit in diesem Jahr in Anspruch genommen.

Landrat Dieter Harrsen und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind entschlossen, den Weg des familienfreundlichen Betriebes weiterzugehen.

Hintergrundinformationen

In der in Berlin stattfindenden Festveranstaltung am 26. Juni 2013 erhielten insgesamt 304 Arbeitgeber das von der berufundfamilie gGmbH seit 15 Jahren erteilte Zertifikat. Darunter waren 161 Unternehmen, 106 Institutionen und 37 Hochschulen.

Das audit unterstützt Arbeitgeber darin, Unternehmensziele und Mitarbeiterinteressen in eine tragfähige, wirtschaftlich attraktive Balance zu bringen. Es steht unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und wird von den führenden deutschen Wirtschaftsverbänden BDA, BDI, DIHK und ZDH empfohlen. Zu Beginn des Auditierungsverfahrens wird der Status quo der bereits angebotenen familienbewussten Maßnahmen erfasst. Anschließend wird das betriebsindividuelle Potenzial systematisch entwickelt und maßgeschneiderte Lösungen konzipiert und implementiert. Mit verbindlichen Zielvereinbarungen sorgt das audit dafür, dass Familienbewusstsein in der Unternehmenskultur verankert wird.

111 Arbeitgeber haben das audit berufundfamilie / audit familiengerechte hochschule 2013 zum ersten Mal erfolgreich durchlaufen und damit einen kontinuierlichen Prozess der Vereinbarkeit von Beruf und Familie begonnen.

119 Arbeitgeber, darunter der Kreis Nordfriesland, haben das audit bereits zum zweiten Mal und 61 Arbeitgeber haben es zum dritten Mal erfolgreich durchlaufen.

Elf Arbeitgeber haben das alle drei Jahre zu durchlaufende audit bereits zum vierten Mal erfolgreich durchgeführt, stellen ihre familienbewusste Ausrichtung also bereits seit nahezu zehn Jahren unter Beweis.

Und zwei Arbeitgeber sind zum fünften Mal und damit seit zwölf Jahren dabei.

Vorteile für den Arbeitgeber

Aktuell sind in Deutschland insgesamt 1.017 Arbeitgeber nach dem audit berufundfamilie bzw. audit familiengerechte hochschule zertifiziert, darunter 530 Unternehmen, 354 Institutionen und 133 Hochschulen. Der strategischen Ausrichtung der Vereinbarkeit verdanken die Arbeitgeber einen messbaren Nutzen.

Stefan Becker, Geschäftsführer der berufundfamilie gGmbH, erläutert: »Unser jüngster Vergleich von Unternehmen, die sich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie verstärkt systematisch widmen, und Unternehmen, die in Sachen Familienbewusstsein wenig aktiv sind, zeigt deutliche Vorteile für die Strategen: Ein hohes betriebliches Familienbewusstsein geht u. a. einher mit einer geringeren Fehlzeiten- und Krankheitsquote, selteneren Eigenkündigungen und einer höheren Qualität der Bewerberinnen und Bewerber. Die Motivation ist zudem um 32 Prozent und die Produktivität um 23 Prozent höher.«