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Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

Verleihung der Ehrennadel des Landes an ehrenamtlich Engagierte

Insbesondere das letzte Drittel des Jahres 2015 stand im Zeichen einer in der Geschichte der Bundesrepublik einmaligen Herausforderung: Mehr als eine Million Menschen aus verschiedenen Ländern suchten Zuflucht in Deutschland, knapp 2.000 davon in Nordfriesland.

Hier stießen sie auf Einheimische, die sich auf ehrenamtlicher Basis mit außerordentlichem Einsatz der Aufgabe annahmen, die Neuankömmlinge bei den ersten Schritten in ihrem Gastland zu unterstützen – Einheimische, die nicht nur sagten, dass sie es »schaffen«, sondern diesen Vorsatz auch in die Praxis umsetzten.

Ohne diese keineswegs selbstverständliche, mitunter auch durchaus belastende Unterstützung wäre das öffentliche System nicht in der Lage gewesen, so vielen neuen Mitbürgerinnen und Mitbürgern das Gefühl zu vermitteln, in ihrem neuen Zuhause willkommen zu sein.

Einfach mal Danke sagen

»Mit dieser großartigen Leistung haben viele bürgerschaftlich aktive Menschen die Grundlage für die zukünftige Integration der Geflüchteten in die Gesellschaft gelegt«, stellten der Integrationsbeauftragte des Kreises, Peter Martensen, und sein Stellvertreter, Felix Carl, fest.

Um dafür einmal ganz offiziell Danke zu sagen, organisierten – und moderierten – die beiden eine Veranstaltung, die am 19. Mai 2016 um 12 Uhr im Nordsee-Congress-Centrum in Husum stattfand. Dazu lud die Kreisverwaltung rund 200 ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe tätige Frauen und Männer aus ganz Nordfriesland ein.

Begrüßung durch Landrat Dieter Harrsen

Landrat Dieter Harrsen begrüßte die Gäste. Er hob die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements für das Funktionieren der Gesellschaft hervor und mahnte den Abbau von Integrationshemmnissen an: So fordere der Kreis von Land und Bund die Finanzierung von Sprachkursen für Asylbewerber vom ersten Tag an.

Auch die Vermittlung in Arbeit, Ausbildung und Praktika werde durch bürokratische Regeln sehr erschwert; als Beispiel nannte Harrsen die Arbeitsmarktvorrangprüfung. Zwar befinde sich der Kreis in Gesprächen mit den dafür verantwortlichen Stellen, doch wünsche er sich ein deutlicheres und schnelleres Entgegenkommen. Dieter Harrsen dankte den Erschienenen im Namen des Kreises und erklärte: »Sie geben der Willkommenskultur in Nordfriesland ein Gesicht. Ohne Sie wäre diese gewaltige Aufgabe auf keinen Fall zu bewältigen gewesen.«

Robert Habecks Festrede

Anschließend richtete Dr. Robert Habeck, der stellvertretende Ministerpräsident und Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein, das Wort an die Anwesenden. Habeck schlug einen umfassenden Bogen von der internationalen Politik bis hinunter zur Arbeit auf Gemeindeebene, um die Ursachen und Folgen der Flüchtlingsströme zu beleuchten. »Mit Ihrem Engagement haben Sie Deutschland zu einem besseren Land gemacht«, sagte der Minister.

Angesichts der in weiten Teilen der Erde immer schlimmeren Verhältnisse würden bereits künftige Flüchtlingszahlen von 200 Millionen Menschen befürchtet. Er appellierte an die globale Verantwortung aller Staaten und der weltweit agierenden, aber nur in geringem Umfang Steuern zahlenden Großunternehmen, dies nicht zuzulassen: Es sei »eine würdige Aufgabe für die Welt«, also für Länder und Wirtschaft gemeinsam, ein Aufbauprogramm für die vom Scheitern bedrohten Staaten ins Leben zu rufen.

Höchst talentierter Migrant aus Bagdad

Nachdem Robert Habeck seine Rede unter großem Applaus beendet hatte, trug Taef Alighanim ein arabisches Volkslied vor. Der 23-Jährige war vor seiner Flucht aus dem Irak Berufsmusiker in Bagdad und hofft nun, sich in Deutschland eine Zukunft aufbauen zu können. Ein zweites, während der Veranstaltung von ihm gesungenes Lied ist auf dieser Seite verlinkt. Auch, wenn es nur ein Handy-Video ist: Ansehen und vor allem Anhören lohnt sich! (Dateigröße: 300 MB)

Überreichung der Ehrennadel des Landes Schleswig-Holstein

Die Bemerkung zurückweisend, der Tag werde durch seine Anwesenheit geehrt, erklärte Robert Habeck, er selbst betrachte es als große Ehre, den nordfriesischen Flüchtlingshelferinnen und -helfern jetzt gemeinsam mit dem stellvertretenden Kreispräsidenten, Siegfried Puschmann, und Landrat Dieter Harrsen die Ehrennadel des Landes Schleswig-Holstein überreichen zu dürfen.

Ein gemeinsamer Imbiss und viele Gespräche an den vor dem Sitzungsraum aufgebauten Tischen rundeten die Veranstaltung ab.

Gruppenfoto zum Schluss